WERKSTATTLUFT

Natascha Mann, Gefallener Engel, 1987, Holzschnitt 2/6, 131 x 107 cm

 

Radierung, Kupferstich, Lithographie und Holzschnitt sind die bekanntesten alten Drucktechniken.    

In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts kam der Siebdruck hinzu. Später haben auch photographische Reproduktionstechniken wie Heliogravüre, Zinklithographie und C-prints, alles technische Innovationen, sich in die altverschworene Welt der Auflagengraphik eingeschmuggelt und nehmen heute weltweit einen erheblichen Teil des Graphikmarktes ein. 

Die älteste Technik ist sicher der Holzschnitt, ein Hochdruckverfahren. Wir bieten einige schöne Exemplare von Natascha Mann an. Die Künstlerin arbeitete mit der verlorenen Form, das heißt, sie schnitt die Holzplatte, druckte davon eine kleine Auflage in einer Farbe, schnitt an der gleichen Platte weiter und druckte dann die nächste Farbe. Der Druckstock ist für immer verloren.

Radierungen sind Tiefdrucke und werden von Kupfer- bzw. Zinkplatten gedruckt. Hier sind sie in allen Techniken im Angebot, als Farbradierung und Aquatinta wie bei Uwe Bremer, oder zusätzlich mit Zuckeraussprengtechnik wie bei Gregor Hiltner. Dieser mischt bei seinen Radierungen verschiedene andere Techniken wie Kaltnadel, Strichätzung, Hoch- und Tiefdruck.  Zusätzlich druckt er Papiereinlagen wie Collagen in seine Graphiken hinein. 

Gregor Hiltner, Atze und Eurydike, 2011, Radierung A.P., 33 x 39,5 cm

Der Druckvorgang wird dadurch so kompliziert und komplex, dass am Ende keine Auflagengraphik dabei herauskommt, sondern eher ein Unikat. 

Saxa loquuntur, die SPRECHENDEN STEINE, nannte sie Alois Senefelder, der Erfinder der Lithographie. 

Lithographie ist eine Flachdrucktechnik, die auf der chemischen Veränderung der Oberfläche von geschliffenen Solnhofer Kalksteinplatten beruht. Die Lithographie ist der technische Vorläufer des Offsetdruckes. Johannes Grützke weiß virtuos seinen Stein zu bearbeiten. Ein Stein, der für die Größe seiner Berliner Ärzteportraits „Knochenmänner“ gebraucht wird, bedarf immerhin vier Personen, um ihn zu heben. Die Lithographien von Ernst Weil sind wie seine Zeichnungen und Ölgemälde kompositorische Meisterwerke.

Mit den amerikanischen Popartisten der sechziger Jahre, Robert Rauschenberg, Roy Lichtenstein oder Jasper Jones, wurde der Siebdruck zu einem beliebten Druckmedium für die Künstler. Zu der genannten Riege von Künstlern gehörte damals auch der hier ausgestellte, englische Popartkünstler Joe Tilson. Siebdruck eignet sich besonders für plakative Darstellungen, wie an den Graphiken von A. R. Penck aus den neunziger Jahren zu sehen ist. 

Wie alles in der Welt der Bildenden Kunst erfreut sich auch die Druckgraphik in Wellen und Moden der Beliebtheit. In den sechziger und siebziger Jahren galt sie als soziales Kunstwerk, Einstiegskunst, die billig sein sollte, sodass sich auch der „Arbeiter“ und Student sie sich leisten konnte. Unzählige Graphikverlage und Editionen entstanden in dieser Zeit. Viele, heute große Kunstsammlungen nahmen mit dem Sammeln von Graphik ihren Anfang. In den achtziger Jahren gab es einen zweiten Hype und erstmalig wurden manche Blätter der amerikanischen Popartisten über die 100 000 Dollar-Grenze gehoben.

Seither gab es eine Abkehr von der Druckgraphik hin zum gezeichneten oder gemalten Original. Viele kommerzielle Graphikdruckereien wurden geschlossen, viele Pressen verschrottet, an Akademien kümmern die Druckwerkstätten in fast stummer Reminiszenz und erinnern an eine vergangene Zeit. Diese Verknappung an KünstlerInnen, die die Technik beherrschen, wird dazu führen, dass das Angebot an guter Druckgraphik schwindet. 

Christine Kremers

Natascha Mann, Südsee-Tagebuch, 1980, Farbradierung E.A., Platte 24 x 17 cm, Blatt 48 x 38 cm

RADIERUNG

Radierung (von lateinisch radere „kratzen, wegnehmen, entfernen“) bezeichnet ein grafisches Tiefdruckverfahren der künstlerischen Druckgrafik.

Für den Tiefdruck werden der glatten, ebenen Oberfläche einer Druckplatte Verletzungen in Form von Linien oder Punkten zugefügt (Radieren). Dazu verwendet man die Radiernadel.

Es gibt zwei prinzipiell verschiedene Arten von Radierung, was die Herstellung der Druckplatte betrifft:

  • Bei der Kaltnadelradierung wird die Zeichnung mit einer Radiernadel aus härtestem Stahl direkt auf der Druckplatte ausgeführt. Dabei können verschiedene Tiefen erzeugt werden, von zartesten Linien bis zu stärkeren Furchen mit aufgeworfenen Rändern, die viel Farbe aufnehmen und beim Drucken eine stärkere Schwärzung ergeben. Eine Ätzflüssigkeit wird nicht verwendet.
  • Bei der Ätzradierung wird die Zeichnung in eine zunächst auf die Platte aufgebrachte relativ weiche Abdeckschicht gekratzt. Anschließend wird die Platte mit einer Ätzflüssigkeit geätzt, wobei nur die Stellen angegriffen werden, an welchen die Deckschicht verletzt wurde. Nach dem Spülen der Platte wird die Deckschicht entfernt.

Das Auftragen eines Ätzgrunds. Der Ätzgrund muss die Farbe des Kupfers noch durchscheinen lassen, dann hat er die richtige Stärke.

Das Ätzen einer Strichradierung mit Eisen(III)-chlorid-Lösung

Die Druckplatte behält nach der Verletzung die ebene Form bei. Die bei der Verletzung entstandenen Vertiefungen der Platte können Druckfarbe aufnehmen, wenn man die gesamte Platte einfärbt und mit einem Lappen oder ähnlichem die auf der glatten, unverletzten Oberfläche stehende Farbe wieder abwischt. Durch Aufpressen eines angefeuchteten Papiers wird die Farbe aus den Vertiefungen und Rillen wieder herausgesaugt und erscheint auf dem Druckpapier. Im Gegensatz zu den Hochdruckverfahren setzt der Tiefdruck die Benutzung einer Walzendruckpresse voraus. In der Regel ist die Druckplatte ca. 1–2 mm dick.

Für die Radierung sind alle glatten Materialien geeignet, die verletzbar sind und mit meist terpentin- oder wasserlöslicher Farbe keine feste Verbindung eingehen:
Die Druckplatten bestehen überwiegend aus Kupfer, oft auch aus Zink oder Messing. Eisenradierungen (nicht zu verwechseln mit demStahlstich!) wurden in den Anfängen der Technik hergestellt, sind jedoch heute kaum noch gebräuchlich. Es werden auch andere Materialien wie Kunststoff als Ausgangsmaterial für Radierungen verwendet. Moderne Methoden des Non-toxic-printing verwenden vorbeschichtete Platten, die mit einer lichtempfindlichen Fotopolymerschicht überzogen sind. Dabei muss die Platte selbst nicht mehr geätzt werden. Es kann direkt von der Beschichtung gedruckt werden. Diese Platten werden auch in den fotografischen Edeldruckverfahren verwendet.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Radierung

Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Gregor Hiltner, Feed the Beast, 1975, Radierung A.P., 31,5 x 59 cm

AQUATINTA

Die Aquatinta, auch als Tuschätzung, Bistermanier oder Ätzlavierung bezeichnet, ist ein spezielles Verfahren der künstlerischen Druckgrafik, bei der über Flächenätzung Halbtöne erzeugt werden. Sie gilt als eine der malerischsten Tiefdrucktechniken.

Die Aquatinta-Technik wurde zwischen 1765 und 1768 von Jean Baptiste Leprince erfunden und von Künstlern wie Francisco de Goya, Joan Miró und Hans Körnig intensiv genutzt. Vielfach wird das Aquatinta-Verfahren mit der Radierung kombiniert. Die im Aquatinta-Verfahren ausgeführten Graphiken ähneln lavierten Tuschezeichnungen.

 

Das Vorgehen bei der AQUATINTA

Als Ausgangsmaterial für eine Aquatinta-Radierung wird eine Metallplatte, in der Regel aus Zink oder Kupfer verwendet. Diese Platte wird entfettet und so mit pulverisiertem Harz, Kolophonium oder Asphalt bestäubt, dass nur eine sehr dünne Staubschicht auf der Platte liegt. Die Platte wird nun von unten her vorsichtig erhitzt, sodass die Harzkörnchen auf der Platte anschmelzen. Die Harzpartikel dürfen dabei jedoch nicht zerfließen. Im Idealfall ergibt sich eine Oberfläche, die einem feinen Schleifpapier ähnelt – mit offenen und gedeckten Punkten. Das malerische Abdecken mit Abdecklack erfolgt vor jedem weiteren Ätzgang. Damit werden die Stellen abgedeckt, die weiß drucken sollen, bereits geätzte Töne werden so geschützt und bleiben in verdichtender Folge erhalten. Mit einer Ätzlösung werden danach um die Harzkörnchen herum kleine Vertiefungen in die Platte geätzt und es entsteht ein Rasterkorn auf der Platte, in dem Druckfarbe beim Abwischen der Druckplatte haften bleibt.

Verschiedene Grautöne erreicht man dadurch, dass die Platte nach der ersten Ätzung getrocknet wird und weitere Partien abgedeckt werden. Durch die nun erfolgende zweite Ätzung werden die noch offenen und zuvor durch Ätzung erzeugten Vertiefungen weiter vertieft und verbreitert und können somit beim Drucken mehr Farbe aufnehmen als die zwischenzeitlich abgedeckten Vertiefungen. Mit jedem weiteren Abdeck- und Ätzvorgang wird ein dunklerer Halbton (Graustufe) hinzugefügt.

Nach erfolgter Einfach- oder „Mehrstufenätzung“ entfernt man die Harz- oder Asphaltkörnung sowie alle Abdeckschichten. Die Druckplatte wird anschließend eingefärbt und oberflächlich wieder von der Farbe gereinigt. In den Vertiefungen bleibt jedoch die Farbe haften, wobei die Farbaufnahme von der Feinheit des Rasterkorns, dessen Dichte und der Tiefe der Ätzung bestimmt wird. Mit der Tiefdruckpresse wird die Farbe auf angefeuchtetes Papier übertragen. Für jeden einzelnen Druckabzug muss die Platte – wie bei der Radierung und dem Kupferstich – frisch eingefärbt und abgewischt werden.

Da Aquatintaplatten besonders empfindlich sind, können ohne Verstahlung nicht mehr als 100 qualitätsvolle Abzüge zustande kommen. Durch Verstahlung kann zwar eine höhere Auflage erreicht werden, zugleich geht aber häufig die Zartheit dieser Technik, die ihren künstlerischen Reiz oftmals wesentlich bestimmt, wieder verloren.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/aquatinta

Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode